Furnier ausbessern – Infos und Anleitung

Furnier ausbessern – Infos und Anleitung

Ob liebgewonnene Erbstücke oder recht neue Einrichtungsgegenstände: In vielen Haushalten finden sich Möbel und Wohnaccessoires mit furnierten Oberflächen. Doch im Laufe der Zeit können unschöne Gebrauchsspuren wie beispielsweise Wasserflecken, Kratzer oder abgeplatzte Stellen sichtbar werden.

Um das Möbelstück zu retten und ihm wieder eine schöne Optik zu verleihen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Allerdings ist Furnier recht anspruchsvoll.

Hier sind Infos und eine Anleitung,
wie der Heimwerker Furnier ausbessern kann:

 

Was ist Furnier?

Als Furnier werden Streifen aus Echtholz bezeichnet. Diese Streifen können zwischen 0,3 und 6 Millimeter stark sein. Das Wort Furnier wurde im 16. Jahrhundert vom französischen “fournir” für bestücken abgeleitet. Beschrieben wird damit ein Vorgang, bei dem einfaches, kostengünstigeres Holz mit wertvollen und edlen Holzblättern belegt wird.

Durch das Furnieren war es also nicht mehr notwendig, Vollholzmöbel aus teuren Hölzern zu bauen. Stattdessen konnten weniger wertvolle Hölzer für den Bau verwendet und die Oberflächen anschließend mit Edelhölzern beklebt werden. Gleichzeitig ergaben sich durch die dünnen Holzblätter viele neue Gestaltungsmöglichkeiten für Muster, Verzierungen und Intarsien in unterschiedlichen Farben.

Heute wird Furnier überwiegend aus Buche und Eiche gefertigt. Auch Ahorn, Birke, Kirsche, Mahagoni und Esche werden zu Furnier verarbeitet. Da für Furnier generell nur edle Hölzer verwendet werden, dominieren klar die Laubhölzer. Nadelholzfurniere haben nur einen sehr geringen Marktanteil.

 

Wie wird Furnier hergestellt?

Im Wesentlichen werden drei verschiedene Arten von Furnier voneinander unterschieden. Zunächst wird der Baumstamm entrindet und anschließend lange gewässert oder gekocht. Dadurch wird das Holz weicher und biegsamer. Die weitere Fertigung hängt von der Furnierart ab:

  1. Schälfurnier entsteht, indem der Baumstamm an einem scharfen Messer entlang gedreht wird. Ähnlich wie beim Sparschäler in der Küche wird auf diese Weise das Holz Schicht für Schicht abgeschält.
  2. Für Sägefurnier werden mit einer Säge dünne Holzschichten vom Baumstamm abgetragen.
  3. Messerfurnier wird wie Sägefurnier gefertigt. Allerdings kommt hier keine Säge, sondern ein großes Messer zum Einsatz.

Die Holzblätter werden anschließend getrocknet und gebügelt. Je nach Holzart sind dabei unterschiedliche Temperaturen und Zeitfenster notwendig. Ist ein Furnier zu trocken, wird es brüchig, während ein zu feuchtes Furnier schimmeln kann. In beiden Fällen können die Furniere deshalb nicht weiterverarbeitet werden.

Wie lässt sich Furnier ausbessern?

Bei einem furnierten Möbelstück ist das dünne Furnier auf ein anderes Holz aufgeklebt. Schäden zu beheben, ist deshalb nicht ganz so einfach wie bei einem massiven Vollholzmöbel. Aber wie aufwändig eine Restaurierung ist und wie gut die Erfolgschancen stehen, hängt natürlich immer auch von der Art der Beschädigung ab.

  • Sind auf dem Furnier Wasserränder, Flecken oder Verfärbungen durch das Sonnenlicht entstanden, kann ein sogenannter Grauschleierentferner helfen. Er ist im Farbenfachhandel erhältlich. Ursprünglich wurde der Schleierentferner entwickelt, um die Trocknungszeit von Lacken hinauszuzögern. Eher durch Zufall wurde entdeckt, dass er auch Flecken beseitigen und die Holzfarben auffrischen kann. Bei kleineren Flecken wird der Grauschleierentferner mit einem Wattestäbchen aufgetragen. Mit etwas Glück verschwinden die Schäden, wobei zwei bis drei Anwendungen notwendig sein können. Hat das Sonnenlicht Ausbleichungen verursacht, sollte das Möbelstück flächig eingesprüht werden. Danach muss es gut trocknen.

 

  • Blättert das Furnier ab oder ist es rissig geworden, kann Möbelretuschierwachs Abhilfe schaffen. Das Wachs ist in verschiedenen Farbtönen erhältlich und wird auf die kaputten Stellen aufgetragen. Wird das Wachs leicht geföhnt, wird es durch die Wärme geschmeidiger und verteilt sich besser. Retuschierwachs verklebt das brüchige Furnier und frischt seine Farbe auf.

 

  • Im Laufe der Jahre kann der Leim an Klebekraft verlieren oder es kann Luft zwischen das Furnier und das Holz gelangen. Die Folge davon ist, dass das Furnier Blasen wirft. In diesem Fall kann die Blase mit einer dünnen Nadel aufgestochen werden. Anschließend wird die Stelle mit dem Föhn oder dem Bügeleisen erwärmt und gerieben. Durch die Wärme wird der Kleber wieder weich, durch das Reiben werden die beiden Hölzer wieder miteinander verbunden. Je nach Alter und Zustand des Möbelstücks kann es sinnvoll sein, die Stelle mit zusätzlichem Leim zu unterspritzen. Dafür wird Leim auf eine Nadel aufgezogen, die Blase aufgestochen und der Leim gleichzeitig eingefüllt. Hierzu muss der Heimwerker aber wissen, womit das Furnier aufgeleimt wurde.

Wie wird kaputtes oder fehlendes Furnier ausgetauscht?

Vor allem an Kanten kommt es häufiger vor, dass ein Stück Furnier abgeplatzt ist oder fehlt. Manchmal ist das Furnier auch so beschädigt, dass es nicht mehr zu retten ist. In diesen Fällen muss ein neues Furnierstück eingesetzt werden. Der erste Schritt besteht dann darin, herauszufinden, welches Holz überhaupt benötigt wird.

Dazu muss der Heimwerker wissen, dass das neue Furnier sehr viel heller aussehen kann als das Furnier auf seinem Möbelstück. Denn das Furnier dunkelt erst nach der Oberflächenbehandlung nach. Ist die Holzart klar, braucht der Heimwerker ein Furnier, das von der Maserung und der Stärke her passt.

Ist ein geeignetes Furnier gefunden, kann die Reparatur beginnen:

  • Zunächst muss geprüft werden, ob der Untergrund intakt ist. Sollte das nicht der Fall sein, müssen lose Holzstücke verleimt und Löcher aufgefüllt werden. Damit das Furnier aufgeklebt werden kann, muss der Untergrund eben sein.

 

  • Mit einem Messer und einem Lineal wird die ausgebrochene Stelle nun gerade ausgeschnitten. Dazu wird das Lineal auf die intakte Fläche gelegt und das Messer am Lineal entlang geführt. Sollte der Heimwerker versehentlich abrutschen, nimmt die unbeschädigte Fläche keinen Schaden. Beim Ausschneiden sollte der Heimwerker die Schnittkante zunächst anritzen und anschließend in einem Zug wegschneiden.

 

  • Weist die Fläche mehrere Beschädigungen auf, sollte der Heimwerker den gesamten Furnierstreifen entfernen und austauschen. Das ist meist besser, als viele kleine Flicken einzusetzen.

 

  • Aus dem Furnier wird nun ein Flicken zurechtgeschnitten. Der Zuschnitt erfolgt wieder mit Messer und Lineal. Bei einem sehr dünnen Furnier ist es ratsam, die Schnittkanten vorher mit Kreppband abzukleben. So wird verhindert, dass das Furnier ausfranst. Wichtig beim Zuschnitt ist aber, darauf zu achten, dass die Maserung mit dem übrigen Furnier übereinstimmt. Im Idealfall soll später nämlich nicht sichtbar sein, dass die Oberfläche überhaupt ausgebessert wurde. Zudem sollte das Furnierstück etwas größer zugeschnitten werden. Der Überstand wird nachher entfernt.

 

  • Nachdem alle losen Furnierstückchen entfernt sind, wird auf das Trägerholz eine gleichmäßige Schicht Weißleim aufgetragen. Dabei sollte die Schicht so dick sein, dass der Leim unter dem Furnierstück herausquellen kann. In dieses Leimbett wird der Flicken nun eingesetzt. Dazu wird er leicht schräg angesetzt und dann festgedrückt.

 

  • Damit der Leim schneller abbindet, wird die Stelle erwärmt. Dafür wird die Stelle mit Backpapier oder einem Tuch abgedeckt. Danach wird das warme Bügeleisen etwa eine Minute lang fest auf die Stelle gedrückt. Sollte der Leim danach noch nicht trocken sein, wird der Vorgang wiederholt.

 

  • Hat der Leim abgebunden, wird das überstehende Furnier mit einem scharfen Messer weggeschnitten. Anschließend wird der Übergang mit einer Feile bündig geglättet. Gefeilt wird aber immer nur von oben nach unten.

 

  • Mit Schleifpapier mit einer 100er-Körnung wird der eingesetzte Flicken jetzt noch abgeschliffen. Dabei wird das Schleifpapier sehr flach und in Maserrichtung zum Holz geführt. Nach einer Oberflächenbehandlung des gesamten Möbelstücks ist die Restaurierung fertig.

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