10 Fragen zum Tiny House, Teil 1

10 Fragen zum Tiny House, Teil 1

Teurer Wohnraum kann zwar ein Grund dafür sein, in ein Minihaus – ein sogenanntes Tiny House – zu ziehen. Meistens steht aber eine andere Philosophie dahinter. Wer sich für ein Tiny House entscheidet, will bewusst mit wenig Fläche und überschaubarem Besitz auskommen. Oft möchte er einfach und reduziert auf einem kleinen Stück Grün leben und sich in gewissem Umfang von der Gesellschaft zurückziehen. Beim Trend zum Tiny House schwingt gerne etwas Romantik mit. Doch auch beim Tiny House geht es nicht ohne Bürokratie.

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10 Fragen zum Tiny House, Teil 1

Nachhaltiger als normale Häuser sind die Minihäuser ebenfalls nicht unbedingt. Aber was genau macht ein Tiny House eigentlich aus? Und woran gilt es zu denken? Wir beantworten zehn Fragen zum Tiny House!:

  1. Was genau ist ein Tiny House?

In Deutschland wird das Tiny House auch als Minihaus, Mikrohaus oder Single-Haus bezeichnet. Eine verbindliche Definition gibt es allerdings nicht. Das entscheidende Merkmal ist lediglich die kleine Nutzfläche.

Das Gebäudeenergiegesetz definiert zwar ein kleines Gebäude mit einer Nutzfläche bis 50 Quadratmeter. Dabei geht es aber in erster Linie darum, dass für ein solches Gebäude kein Energieausweis bestehen muss. In den USA, wo der Trend seine Wurzeln hat, ist das Tiny House als ein Wohngebäude mit einer Nutzfläche von maximal 27 Quadratmetern definiert.

Neben der kleinen Nutzfläche ist ein weiteres Merkmal vom Tiny House, dass es leicht transportierbar sein soll. Das kann auf zwei Wegen umgesetzt werden. Die erste Variante ist ein Tiny House on Wheels, also ein Minihaus auf Rädern. So ein Haus ist fest auf einem Anhänger montiert und die Räder bleiben dauerhaft unter dem Haus.

Die zweite Variante ist, dass das Minihaus im Ganzen auf einen Lkw oder großen Anhänger geladen und zum nächsten Aufstellort transportiert wird.

Das Grundprinzip vom Tiny House ähnelt damit einem Wohnwagen oder Wohnmobil. Der entscheidende Unterschied nach deutschem Gesetz ist aber, dass ein Wohnwagen oder Wohnmobil nur für den Urlaub genutzt wird. Das Tiny House hingegen gilt als fester Wohnsitz.

Ein Pluspunkt vom Minihaus ist, dass es ermöglicht, sich den Traum vom Eigenhaus zu erfüllen, ohne gleich ein normales, größeres Einfamilienhaus finanzieren und unterhalten zu müssen.

Außerdem bleibt die örtliche Flexibilität erhalten. Nachteilig ist aber, dass die Auswahl an Stellplätzen in Deutschland nicht sehr groß ist. Auf dem beengten Raum zusammenzuleben, kann auf Dauer zudem schwierig werden. Für Familien mit Kindern ist das Tiny House deshalb nur bedingt geeignet.

  1. Was kostet ein Tiny House?

Die Preise für ein Tiny House beginnen bei rund 25.000 Euro. Je nach Größe, Materialien und Ausstattung gibt es nach oben hin aber kaum Grenzen. Daher sind ebenso Minihäuser auf dem Markt, die 250.000 Euro kosten.

Unterm Strich liegt der Quadratmeterpreis für ein Tiny House auf dem gleichen Niveau wie bei einer klassischen Immobilie. Dass die Gesamtkosten niedriger sind, ergibt sich nur daraus, dass eine kleinere Fläche gebaut wird.

Mit Blick auf die Kosten dürfen zudem die Betriebskosten nicht außer Acht gelassen werden. Auch in einem Minihaus soll es schließlich warmes Wasser und eine Heizung geben. Ein weiterer großer Kostenfaktor kann das Grundstück sein.

  1. Wo kann ein Tiny House stehen?

Wer sich für ein Tiny House entscheidet, würde sich oft auch mit einem kleineren Grundstück begnügen. In der Praxis wird das Grundstück aber meistens eine ähnliche Größe haben wie der Baugrund für ein herkömmliches Haus.

Denn die Kommunen legen in ihren Bebauungsplänen fest, wo Wohnhäuser gebaut werden dürfen und wie die Baugrundstücke dafür aufgeteilt sind. Kleine Grundstücksaufteilungen, die rein vom Platz her für ein Tiny House ausreichen würden, sind dabei die Ausnahme.

Der Stellplatz für das Minihaus muss verschiedene Anschlüsse haben, zum Beispiel für den Strom oder das Abwasser. Es muss sich also um einen sogenannten erschlossenen Aufstellort handeln. Ein Tiny House idyllisch mitten in der Natur aufzustellen, ist deshalb in aller Regel verboten.

Hinzu kommt, dass die Bebauungspläne nicht nur vorgeben, welche Grundstücke für Wohnzwecke vorgesehen sind, sondern auch welche Vorgaben für die Häuser im jeweiligen Wohngebiet gelten. Aus diesem Grund ist möglich, dass ein Tiny House wegen seiner Größe und Form gar nicht bewilligt wird.

  1. Ist für ein Tiny House eine Baugenehmigung notwendig?

Weil ein Tiny House üblicherweise als fester Wohnsitz dient und entsprechend ausgestattet ist, ist so gut wie immer eine Baugenehmigung erforderlich. Zwar erfolgt die baurechtliche Genehmigung für ein kleines Gebäude oft in einem vereinfachten Genehmigungsverfahren. Für den Bauherrn ändert sich am Antragsverfahren aber nicht besonders viel.

Der Bauherr braucht immer einen Nachweis für die Standsicherheit und muss belegen, dass die geltenden Vorschriften zum Brandschutz eingehalten sind. Bewohnt er das Haus länger als vier Monate pro Jahr, ist außerdem ein Nachweis der Energieeffizienz notwendig.

Ein Energieausweis muss nur dann erstellt werden, wenn die Nutzfläche des Minihauses größer ist als 50 Quadratmeter.

Eine Baugenehmigung muss nur dann nicht eingeholt werden, wenn das Tiny House

  • auf einem Wochenendplatz aufgestellt wird. Dabei handelt es sich um einen Campingplatz, der nichts fürs Dauerwohnen, sondern nur fürs Ferienwohnen ausgewiesen ist. In diesem Fall darf das Tiny House eine Grundfläche von maximal 50 Quadratmetern haben und höchstens 3,5 Meter hoch sein.

  • nur in der Freizeit als Wohnwagen genutzt wird und in der nutzungsfreien Zeit einen festen Stellplatz hat.

Sobald das Tiny House zum festen Wohnsitz werden soll, führt an der Baugenehmigung also praktisch kein Weg vorbei. Die Nachweise und Berechnungen, die für die Genehmigung erforderlich sind, sind aber im Normalfall kein Problem. Denn die Hersteller der Häuser verfügen über die entsprechenden Unterlagen und Pläne.

  1. Aus welchen Materialien wird ein Tiny House gebaut?

Für ein Tiny House werden oft nachhaltige Materialien verwendet. Als Grundbaustoff wird am häufigsten Holz eingesetzt.

Für die Dämmung sind verschiedene Lösungen möglich. Weil ein Tiny House in aller Regel eine Baugenehmigung braucht und dazu die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Energieeffizienz erfüllen muss, sind Dämmstoffe aus nachwachsenden Materialien schwierig.

Denn sie erfordern eine vergleichsweise dicke Wandstärke. Doch in einem Tiny House zählt jeder Zentimeter. Oft fällt die Wahl deshalb auf Materialien wie PIR oder Styropor, die zwar eine sehr hohe Dämmwirkung haben, aber eben keine Naturstoffe sind.

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Markus Scheuer - Tischlermeister, Mario Schwab - Holzmechaniker und Timor Arksol - Inhaber Holzhandel, Youtuberin Sevilart - Handarbeiten & Kunsthandwerk (Holz-Rohstoffe), sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes zum Rohstoff Holz, sowie Anleitungen, Tipps und Ratgeber für die Holzbearbeitung.

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