Holz ist für viele von uns ein vertrauter Werkstoff, doch hinter jedem Brett und Balken steht eine Entwicklung, die sich in erstaunlichen Zahlen ablesen lässt. In Deutschland hat sich der Holzeinschlag in den vergangenen Jahren deutlich verändert, vor allem das außergewöhnlich hohe Schadholzaufkommen ist stark zurückgegangen.

Gleichzeitig zeigen internationale Daten, dass sich Produktion und Verarbeitung von Holz weltweit keineswegs überall gleich entwickeln.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen und Statistiken zeigt, wie groß die Veränderungen tatsächlich sind und warum man deutschen Holzeinschlag, globale Rundholzproduktion und internationales Schnittholz genauer auseinanderhalten sollte:
Der deutsche Holzeinschlag liegt deutlich unter den schadholzgeprägten Spitzenjahren
In deutschen Wäldern wurden im jüngsten vollständig ausgewerteten Berichtsjahr 57,3 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Das waren 6,4 % weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich fiel die Veränderung beim Schadholz aus: 12,7 Millionen Kubikmeter des Einschlags gingen auf Waldschäden zurück, 53,7 % weniger als ein Jahr zuvor. Der Schadholzanteil am gesamten Einschlag lag damit bei 22,1 %.
Entscheidend für die Einordnung ist die längere Zeitreihe. Im extremen Schadholzjahr 2020 wurden insgesamt 80,4 Millionen m³ Holz eingeschlagen, davon 60,1 Millionen m³ aufgrund von Waldschäden. Der Schadholzanteil betrug damals 74,8 %. 2021 stieg der Gesamteinschlag sogar noch auf 83,0 Millionen m³, während das Schadholz bereits auf 50,5 Millionen m³ zurückging. In den folgenden Jahren nahmen beide Größen ab, das Schadholz jedoch wesentlich stärker.
| Datenjahr | Gesamtholzeinschlag | Schadholzeinschlag |
|---|---|---|
| 2020 | 80,4 Mio. m³ | 60,1 Mio. m³ |
| 2021 | 83,0 Mio. m³ | 50,5 Mio. m³ |
| 2022 | 78,7 Mio. m³ | 44,7 Mio. m³ |
| 2023 | 70,6 Mio. m³ | 38,7 Mio. m³ |
| 2024 | 61,2 Mio. m³ | 27,3 Mio. m³ |
| 2025 | 57,3 Mio. m³ | 12,7 Mio. m³ |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Holzeinschlagsstatistik. Aktuelle Originalveröffentlichung ansehen (öffnet in neuem Tab).
Insekten bleiben die wichtigste ausgewiesene Schadholzursache
Von den 12,7 Millionen m³ Schadholz entfielen 7,9 Millionen m³ auf Insektenschäden. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Rückgang um 53,1 %. Trockenheit war für 1,8 Millionen m³ verantwortlich, Wind und Sturm für 1,2 Millionen m³. Auch diese Mengen lagen unter den Vorjahreswerten. Zum Vergleich innerhalb derselben amtlichen Statistik: Im außergewöhnlichen Schadholzjahr 2020 waren allein 43,3 Millionen m³ des Einschlags durch Insektenschäden verursacht worden.
Diese Zahlen beschreiben die registrierte Einschlagsursache. Sie sind keine Messung der geschädigten Waldfläche, der gesamten Baumsterblichkeit oder künftiger Schädlingspopulationen. Eine Ursache für Preisbewegungen lässt sich daraus ebenfalls nicht ableiten. Die Preis- und Marktperspektive wird separat im Beitrag „Explodieren bald die Holzpreise?“ behandelt.
Die große Nadelholzgruppe prägt weiterhin den Einschlag
Die größte amtlich ausgewiesene Holzartengruppe war mit 32,4 Millionen m³ „Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz“. Gegenüber dem Vorjahr sank ihr Einschlag um 14,3 %. Wichtig ist die vollständige Bezeichnung: Die 32,4 Millionen m³ sind keine reine Fichtenmenge. Kiefer und Lärche kamen zusammen auf 13,2 Millionen m³, Buche und sonstiges Laubholz auf 9,9 Millionen m³ sowie Eiche und Roteiche auf 1,9 Millionen m³.
Für die praktische Holzwahl sagen diese Einschlagsmengen allein noch nichts über Abmessungen, Sortierung, Qualität oder Eignung für ein bestimmtes Projekt aus. Wer die statistischen Sammelgruppen mit Materialeigenschaften verbinden möchte, findet dazu den Holzarten-Finder. Bei der Einordnung unterschiedlicher Holzqualitäten hilft außerdem der Fachartikel zu Güte- und Sortierklassen von Holz.
Mehr als die Hälfte des Einschlags ist für Stammholz vorgesehen
Auch der vorgesehene Verwendungsweg zeigt, warum Holzeinschlag nicht mit dem späteren Angebot im Holzhandel gleichgesetzt werden sollte. 32,0 Millionen m³ beziehungsweise 55,9 % waren als Stammholz vor allem für Säge- und Furnierindustrie vorgesehen. 11,8 Millionen m³ beziehungsweise 20,6 % entfielen auf Industrieholz für Holzwerkstoff-, Papier- und Zellstoffindustrie. Weitere 10,7 Millionen m³ beziehungsweise 18,7 % waren zur Energiegewinnung vorgesehen.
Die drei genannten Anteile ergeben zusammen nicht 100 %. Ohne die fehlende Restkategorie aus der Originaltabelle wäre deshalb ein Kreis- oder Donutdiagramm irreführend. Für die verwendeten Volumeneinheiten bietet der Holzumrechnungs-Rechner eine praktische Ergänzung zu Kubikmeter, Festmeter, Raummeter und Schüttraummeter.
Global entwickelt sich die Forstproduktproduktion nicht einheitlich
Die internationale Statistik liefert einen anderen Blickwinkel als die deutsche Einschlagsreihe. Weltweit wurden im Datenjahr 2024 insgesamt 1.956 Millionen m³ industrielles Rundholz ausgewiesen. Das waren 2 % mehr als im Vorjahr, 1 % weniger als 2020 und 16 % mehr als 2000. „Industrielles Rundholz“ ist dabei nicht mit dem gesamten deutschen Holzeinschlag identisch: Die internationale Kategorie umfasst Rundholz für andere Zwecke als die Energieverwendung.
Auch zwischen den weiteren Produktstufen gab es keine einheitliche Bewegung. Die weltweite Schnittholzproduktion lag bei 445 Millionen m³ und damit gegenüber dem Vorjahr unverändert. Holzwerkstoffplatten erreichten dagegen 393 Millionen m³, 5 % mehr als im Vorjahr. Darin enthalten waren 113 Millionen m³ Sperrholz und LVL sowie 280 Millionen m³ Spanplatten, OSB und Faserplatten. Diese Teilgruppen dürfen nicht zusätzlich zur Gesamtmenge der Holzwerkstoffplatten addiert werden.
Die globale Datenbasis wird jährlich aus nationalen Produktions- und Handelsstatistiken zusammengestellt. Die Datenerhebung erfolgt über den Joint Forest Sector Questionnaire in Zusammenarbeit mehrerer internationaler Statistikorganisationen. Wo Länder keine Angaben liefern, können in der internationalen Datenbank Schätzungen oder fortgeschriebene historische Werte verwendet werden. Die globale Reihe eignet sich deshalb für eine makroökonomische Einordnung, nicht für die Behauptung, die deutsche Holzeinschlagsstatistik und die weltweite Industrieholzproduktion seien identisch erhobene Größen.
Quelle: internationale Forstproduktstatistik, Datenjahr 2024. Originaldaten und Gesamttabelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
Kanadas Schnittholzstatistik zeigt eine ausgeprägte Nadelholzstruktur
Ein zweiter internationaler Befund stammt aus Kanada und betrifft eine andere Produktionsstufe: Sägewerke beziehungsweise Hersteller und ihre Schnittholzproduktion. Für das Datenjahr 2024 weist die korrigierte Veröffentlichung 47.895.000 m³ Nadel-Schnittholz und 858.000 m³ Laub-Schnittholz aus. Nadelholz machte damit rund 98 % der in dieser Auswertung erfassten Holzproduktion aus.
Innerhalb des Nadel-Schnittholzes entfielen 42.816.000 m³ auf die Sammelgruppe „Spruce, pine and fir“. Douglas fir und Western larch kamen zusammen auf 2.323.000 m³, die Sammelkategorie „Other softwood“ auf 2.756.000 m³. Gerade die Größenunterschiede zwischen den drei Kategorien machen sichtbar, wie stark die kanadische Produktion in dieser Statistik von der ersten Gruppe geprägt wird.
| Nadelholzgruppe | Produktion im Datenjahr 2024 |
|---|---|
| Spruce, pine and fir | 42.816.000 m³ |
| Douglas fir and western larch | 2.323.000 m³ |
| Other softwood | 2.756.000 m³ |
Quelle: Statistics Canada, „A look at Canada’s lumber industry in 2024“, korrigierte Fassung. Originalveröffentlichung ansehen (öffnet in neuem Tab).
Der kanadische Befund darf nicht als Mengenvergleich mit Deutschland gelesen werden. In Deutschland wird in der hier verwendeten Statistik eingeschlagenes Rohholz erfasst; die kanadische Auswertung betrifft produziertes Schnittholz. Dass beide Größen in Kubikmetern angegeben werden, macht sie nicht methodisch gleich. Die kanadischen Werte dienen deshalb ausschließlich dazu, die Struktur einer bedeutenden internationalen Schnittholzproduktion zu zeigen.
Was die Zahlen für die Materialperspektive zeigen – und was nicht
Für Holzwerker und Heimwerker ist vor allem die Trennung der Marktstufen wichtig. Der amtliche deutsche Einschlag beschreibt die Rohholzerzeugung am Anfang der Verarbeitungskette. Danach folgen unter anderem Sortierung, Lagerung, Transport, Im- und Export sowie die Verarbeitung in Sägewerken oder anderen Industriezweigen. Aus 57,3 Millionen m³ Einschlag lässt sich deshalb nicht ableiten, dass dieselbe Menge als Bau-, Möbel- oder Konstruktionsholz im deutschen Handel verfügbar wäre.
Gleichzeitig zeigt die deutsche Zeitreihe klar, dass sich die Struktur gegenüber den außergewöhnlichen Schadholzjahren stark verändert hat. Besonders der schadenbedingte Einschlag ist zurückgegangen. Diese beobachtete Entwicklung darf beschrieben werden; weitergehende Aussagen über künftige Holzpreise, eine kommende Rohholzknappheit oder den zukünftigen Waldzustand benötigen dagegen zusätzliche Daten.
Weiterführend auf dieser Website: Die Statistik beschreibt Mengen und Strukturen. Für konkrete Projekte führen der Holzarten-Finder und die Übersicht Holz-Tools & Rechner von der statistischen Einordnung zur praktischen Material- und Projektplanung.
Vergleichbarkeit, Datenalter und methodische Grenzen
Unterschiedliche Datenstände: Die deutsche Holzeinschlagsstatistik reicht hier bis zum Datenjahr 2025. Die vollständige internationale Jahresstatistik und die kanadische Jahresauswertung beziehen sich auf 2024. Unterschiedliche Berichtsjahre werden deshalb nicht so dargestellt, als beschrieben sie denselben Zeitpunkt.
Unterschiedliche Definitionen: Der deutsche Gesamtholzeinschlag umfasst Rohholz mit verschiedenen Verwendungszielen. Die internationale Kategorie „industrial roundwood“ schließt Energieholz aus. Kanada misst in der verwendeten Auswertung bereits erzeugtes Schnittholz. Die Werte sind aufgrund unterschiedlicher Definitionen beziehungsweise Erhebungsmethoden nicht als direktes Länderranking zu verstehen.
Unterschiedliche Erhebungsmethoden: Die deutsche Holzeinschlagsstatistik ist eine jährlich vorgeschriebene Stichprobenerhebung bei bundesweit höchstens 15.000 rohholzerzeugenden Betrieben; die tatsächlich realisierte Fallzahl ist in den verwendeten Angaben nicht genannt. Ergebnisse bestimmter zuständiger Länderstellen können in das Bundesergebnis einfließen. Die globale Statistik führt dagegen nationale Meldungen verschiedener Länder zusammen. Die kanadischen Daten stammen aus dem Sawmills-Statistikprogramm. Es gibt damit keine gemeinsame internationale Betriebsstichprobe.
Keine Personengruppe: Anders als bei Bevölkerungs- oder Verbraucherumfragen beziehen sich diese Statistiken nicht auf Personen oder Altersgruppen. Die Grundgesamtheiten sind Rohholzeinschlag, nationale Forstproduktstatistiken beziehungsweise die kanadische Schnittholzproduktion.
Keine Kausalitätsaussage: Der parallele Rückgang von Gesamteinschlag und Schadholz erlaubt keine beliebigen Ursache-Wirkungs-Schlüsse. Zulässig ist die amtliche Feststellung, dass der Rückgang des deutschen Gesamteinschlags zuletzt wesentlich mit dem geringeren Schadholzeinschlag zusammenhing. Nicht aus diesen Daten allein ableitbar sind dagegen konkrete Folgen für Verkaufspreise oder zukünftige Marktentwicklungen.
Eigeninteressen: Die zentral verwendeten Quellen stammen aus amtlicher beziehungsweise zwischenstaatlicher Statistik. Kommerzielle Eigeninteressen eines Studienanbieters sind bei diesen Hauptquellen nicht erkennbar. Dennoch bleiben die jeweiligen Definitionen, nationalen Meldesysteme, Revisionen und mögliche Schätzverfahren für die Interpretation relevant.
Quellen und Datenbasis
- Statistisches Bundesamt: „Holzeinschlag 2025 insgesamt um 6,4 % gesunken, Schadholzaufkommen halbiert“, Pressemitteilung Nr. 134 vom 15. April 2026. Datenjahr 2025 mit Vergleichen zu Vorjahren. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Destatis GENESIS-Online: Holzeinschlagsstatistik, Statistik 41261, Tabelle 41261-0001. Originaltabelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Methodeninformation zur Holzeinschlagsstatistik; jährliche Stichprobenerhebung bei höchstens 15.000 rohholzerzeugenden Betrieben. Methodenbeschreibung ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistisches Bundesamt: „Holzeinschlag erreicht 2020 aufgrund von Waldschäden neuen Rekordwert“, veröffentlicht am 15. April 2021. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistisches Bundesamt: „Holzeinschlag 2022 bleibt mit 78,7 Millionen Kubikmetern auf hohem Niveau“, veröffentlicht am 14. April 2023; enthält auch Vergleichswerte für 2021. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistisches Bundesamt: „Weniger Schadholz aufgrund von Waldschäden: Holzeinschlag 2023 um 10,3 % gesunken“, veröffentlicht am 15. April 2024. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistisches Bundesamt: „Schadholzaufkommen nimmt weiter ab: Holzeinschlag 2024 um 13,3 % gesunken“, veröffentlicht am 15. April 2025. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Food and Agriculture Organization of the United Nations: „Global forest products facts and figures 2024“ und FAOSTAT Forestry Production and Trade, globales Datenjahr 2024. Originaldaten ansehen (öffnet in neuem Tab).
- FAO Statistics: Methodik der jährlichen internationalen Datenerhebung über den Joint Forest Sector Questionnaire. Methodenbeschreibung ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistics Canada: „A look at Canada’s lumber industry in 2024“, veröffentlicht am 12. Dezember 2025 und korrigiert am 17. Februar 2026. Verwendet wird ausschließlich die korrigierte Fassung. Originalquelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
- Statistics Canada: Tabelle 16-10-0017-01 „Lumber production, shipments, and stocks by species, monthly“, Datenquelle des Sawmills-Programms. Originaltabelle ansehen (öffnet in neuem Tab).
Datenstand dieser Auswertung: 1. Oktober 2026. Der Beitrag ist als datierte statistische Momentaufnahme angelegt. Spätere Revisionen oder neu veröffentlichte Berichtsjahre sind in den hier wiedergegebenen Zahlen nicht enthalten.
Übersicht:
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