Wie leicht entflammbar ist Holz wirklich?

Wie leicht entflammbar ist Holz wirklich?

Ob Dachstuhl, Hausfassade, Terrassenbelag, Arbeitsplatte oder Möbelstück: Seine vielfältigen Eigenschaften und Qualitäten machen Holz zu einem Werkstoff, der unzählige Aufgaben erfüllen kann. Der nachwachsende Rohstoff ist stabil, haltbar und lässt sich flexibel bearbeiten. Doch so sehr Holz als Werkstoff geschätzt wird, so sehr sieht er sich auch mit einigen Vorurteilen konfrontiert.

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Wie leicht entflammbar ist Holz wirklich?

Typische Klischees, die sich hartnäckig halten, sind etwa, dass Holz wenig witterungsbeständig, anfällig für Schädlinge, pflegeintensiv und nicht so langlebig wäre wie andere Materialien.

Ein anderer Kritikpunkt, der regelmäßig angeführt wird, lautet, dass Holz schnell brennt und einem Feuer deshalb nahezu schutzlos ausgeliefert sei. Aber stimmt das? Wie leicht entflammbar ist Holz wirklich?

Wir gehen dieser Frage nach – und räumen mit Mythen auf!:

Die Baustoffklasse von Holz

Ein wesentliches Kriterium, um die Eignung von Baustoffen und Bauteilen zu beurteilen, ist ihr Verhalten im Brandfall. Dafür gibt es als Indikator die Baustoffklasse.

Mit Blick auf den Brandschutz werden Baustoffe hierzulande überwiegend nach der nationalen Norm DIN 4102-1 eingestuft. Zunehmend findet aber auch das europäische System gemäß EN 13501 Anwendung.

In der nachfolgenden Tabelle haben wir die Klassifizierung nach beiden Systemen gegenübergestellt:

DIN 4102-1 Anforderungen an den Baustoff EN 13501-1
A1 – nicht brennbar kein Beitrag zum Brand A1
A2 – nicht brennbar Beitrag zum Brand vernachlässigbar A2
B1 – schwer entflammbar sehr geringer Brandbeitrag

geringer Brandbeitrag

B

C

B2 – normal entflammbar hinnehmbarer Brandbeitrag

hinnehmbares Brandverhalten

D

E

B3 – leicht entflammbar Keine Anforderungen, da nicht zulässig F

Bei der Einteilung wird zunächst zwischen brennbaren und nicht brennbaren Baustoffen unterschieden. Die nationale Norm ordnet Holz grundsätzlich in die Klasse B2 ein.

Als schwer entflammbar gemäß Klasse B1 gelten Holz und Holzprodukte nur dann, wenn sie mit einem Flammschutzmittel behandelt sind.

Die europäische Norm differenziert stärker. Auch hier wird Holz aber prinzipiell der Klasse D und damit als normal entflammbarer Baustoff zugeordnet. Für Fußböden aus Holz gibt es in der europäischen Norm eine eigene Klassifizierung.

Sie ist durch das Kürzel „fl“ zu erkennen, das an die Hauptklassen angehängt wird. Eiche und Buche erreichen zum Beispiel die Klasse Cfl.

Neben dem Brandverhalten regelt die europäische Klassifizierung außerdem die Nebenerscheinungen bei einem Brand. Im Brandfall sind für den Menschen insbesondere die Rauchentwicklung und das brennende Abtropfen kritisch. Diese beiden Faktoren berücksichtigt die Norm mit je drei Klassen.

Im Holzbau kommen als Konstruktionswerkstoffe in erster Linie Vollholz, Brettschichtholz und Brettsperrholz zum Einsatz. Ergänzt wird die Palette durch Holzwerkstoffe wie OSB, Sperrholz oder Furnier-Schichtholz.

Die meisten Holzbaustoffe sind nach der EN in die Klasse D-s2, d0 eingeordnet. Das bedeutet, dass der jeweilige Holzbaustoff normal entflammbar ist, eine Rauchentwicklungsklasse 2 hat und nicht abtropfend brennt.

Die Feuerwiderstandsklasse von Holzbauteilen

Das zweite wichtige Kriterium für die Brandanfälligkeit eines Gebäude ist der Feuerwiderstand oder genauer die Feuerwiderstandsklasse der Bauteile. Auch hier sind Hölzer anderen Materialien und Bauweisen nicht unterlegen.

Die Feuerwiderstandsklasse wird nicht für Baustoffe, sondern für Bauteile bestimmt. Das liegt daran, dass Bauteile aus mehreren Baustoffen bestehen können und jeweils einen besonderen Zweck erfüllen.

Um die Klasse festzulegen, wird die Zeit ermittelt, die das Bauteil dem Feuer widersteht, ohne seine Funktion einzubüßen. Die Angabe erfolgt durch den Buchstaben F und eine Zahl.

Die Zahl beziffert die Feuerwiderstandsdauer in Minuten, abgerundet auf die nächste durch 30 teilbare Dauer. Daraus ergeben sich fünf Feuerwiderstandsklassen, nämlich F30, F60, F90, F120 und F180.

Neben der Brennbarkeit spielt beim Brandverhalten auch die sogenannte Abbrandgeschwindigkeit eine zentrale Rolle. Bei Laubhölzern, die eine Rohdichte von über 450 Kilogramm pro Kubikmeter haben, liegt die Abbrandgeschwindigkeit bei 0,5 Millimetern pro Minute. Nadelhölzer brennen mit einer Geschwindigkeit von 0,8 Millimetern pro Minute ab.

Eine besondere Eigenschaft von Holz besteht darin, dass es an der Oberfläche verkohlt. Dadurch entsteht eine Schutzschicht, die ein weiteres Abbrennen des Holzes aufhält.

Die geringe Abbrandgeschwindigkeit in Kombination mit der geringen Wärmeleitfähigkeit bewirkt außerdem, dass Holzbauteile vergleichsweise lange fest, formstabil und tragfähig bleiben.

Weil sich die Bauteile nur langsam durchwärmen und durch die einsetzende Kohleschicht zusätzlich geschützt sind, bleibt die Statik eines brennenden Hauses länger erhalten als bei anderen Bauweisen. Nicht umsonst gibt es bei Feuerwehrleuten die Redewendung „Holz brennt sicher“.

Wie leicht entflammbar ist Holz wirklich 2

Gipsbauplatten als Feuerschutz

Durch unsere Ausführungen sollten die Bedenken gegenüber Holz als Baustoff ausgeräumt sein. Holz ist weder leichter entflammbar noch unsicherer als Beton, Stahl oder Glas. Damit Holzbauten noch sicherer werden, kommen spezielle Gipsbauplatten als Feuerschutz zum Einsatz.

Je nach Plattenstärke sorgen sie dafür, dass die Brandtemperatur über eine gewisse Dauer auf rund 100 Grad Celsius eingedämmt ist. Folglich können sich die dahinter liegenden, brennbaren Baustoffe nicht entzünden. Denn dafür wäre eine Temperatur von mindestens 270 bis 300 Grad Celsius notwendig.

Trotz der guten Werte im Brandverhalten waren Holzhäuser in Deutschland bis vor kurzem auf die Gebäudeklasse 4 beschränkt. Sie durften also maximal 13 Meter hoch sein und Nutzungseinheiten von höchstens 400 Quadratmetern haben.

Mehrere Bundesländer haben das Baurecht aber inzwischen angepasst. Dank technischer Fortschritte im Holzbau können nun auch Holzhäuser der Gebäudeklasse 5 genehmigt werden.

Allerdings dürfen Hochhäuser nicht komplett aus Holz bestehen, sondern müssen vor allem bei den Fluchtwegen feuerbeständige Materialien verwenden. Das ist ein Grund, warum Hochhäuser aus Holz oft ein Treppenhaus aus Beton haben.

Und: In der überwiegenden Mehrheit aller Fälle ist nicht der Baustoff die Ursache für einen Brand. Stattdessen führt menschliches Fehlverhalten zu einem Feuer. Holz kann als Bau- und Konstruktionswerkstoff bei entsprechender Planung bedenkenlos eingesetzt werden.

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Markus Scheuer - Tischlermeister, Mario Schwab - Holzmechaniker und Timor Arksol - Inhaber Holzhandel, Youtuberin Sevilart - Handarbeiten & Kunsthandwerk (Holz-Rohstoffe), sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, Importeur von Holzmöbeln, Deko- und Kunsthandwerk, schreiben hier Wissenswertes zum Rohstoff Holz, sowie Anleitungen, Tipps und Ratgeber für die Holzbearbeitung.

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