Was ist eigentlich Altholz?

Was ist eigentlich Altholz?

Bretter von alten Scheunen, die viele Jahrzehnte lang Wind und Wetter ausgesetzt waren. Balken, die einst das Gebälk oder Fachwerk eines Hauses bildeten. Latten, Dielen und Holzplatten, die als Tore, Türen, Fußbodenbeläge oder Möbel treue Dienste geleistet haben: Solche Hölzer erzählen Geschichten und punkten mit einer charakterstarken Optik.

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Was ist eigentlich Altholz

Kein Wunder, dass sie unter Architekten und Möbeldesignern genauso gefragt sind wie unter Bauherren und Heimwerkern.

Altholz liegt im Trend und kommt für Fassaden, beim Innenausbau, für Möbel und im Außenbereich zum Einsatz. Nur: Was ist eigentlich Altholz? Wo ist es erhältlich? Und worauf gilt es zu achten?

Wir geben Antworten!:

Was ist Altholz?

Bei Altholz handelt es sich um ein Holz, das schon einmal verbaut war. Nach dem Abbau wird es zum Teil als Brennstoff verwertet oder als Biomasse in Kraftwerken für die Erzeugung von Strom genutzt. Damit ist Altholz eine Säule im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Kann das Altholz recycelt werden, wird es aufbereitet und im Haus- oder Möbelbau erneut verarbeitet. Vor allem Balken, Bretter und Latten sind begehrte Baumaterialien. Doch auch alte Wand- und Deckenverkleidungen, Bodendielen, Türen und Bauteile von Holzmöbeln sind beliebt.

Lieferanten für Altholz sind überwiegend alte Gebäude wie Bauernhäuser, Schuppen und Scheunen, Berghütten oder Fachwerkhäuser. Werden solche Bauwerke abgebaut, wird das Holz geborgen. Allerdings muss immer der Denkmalschutz beachtet und eingehalten werden.

Denn bloß weil ein alter Stall nicht mehr in Betrieb ist und inzwischen als recht klappriger Verschlag herumsteht, heißt das noch lange nicht, dass er ohne Weiteres abgerissen und als Altholz-Quelle genutzt werden darf.

Was muss vor dem Verarbeiten von Altholz beachtet werden?

Bevor Altholz neu verbaut werden kann, ist eine Aufbereitung für seinen neuen Einsatzzweck notwendig. Dabei ist vor allem wichtig, die Hölzer auf einen Befall mit Schädlingen und auf eine Belastung mit Schadstoffen zu untersuchen. Verordnungen zu Chemikalien regeln ganz klar, was im Außenbereich und in Innenräumen verarbeitet werden kann und was nicht mehr recycelt werden darf.

Bloß weil ein Baustoff alt ist und wiederverwendet werden soll, ist das Vorhaben nicht automatisch nachhaltig und aus ökologischer Sicht unbedenklich. Ein typisches Beispiel sind alte Bahnschwellen. Lange Zeit waren sie beliebte Einfassungen in Gärten. Allerdings waren sie mit Carbolineum behandelt.

Das Teer-Öl hielt zwar Pilze und Schädlinge fern, kann aber die Haut und die Atemwege reizen. Außerdem gilt es als krebserregend und ist deshalb inzwischen verboten.

Dachbalken und Hölzer an Außenfassaden wurden häufig mit Altöl gestrichen, um sie haltbarer zu machen. Und auch im Innenbereich wurden früher zum Teil Farben und Mittel verwendet, die nach heutigem Kenntnisstand zur Gesundheitsgefahr werden können.

Aus diesem Grund sollte der Bauherr oder Heimwerker sein Altholz entweder von einem Händler beziehen, der sich auf die Aufbereitung und den Handel mit diesem Material spezialisiert hat. Oder er sollte sich an ein Labor für Baubiologie wenden und sein Altholz dort auf Giftstoffe prüfen lassen.

Wofür kann Altholz genutzt werden?

Die Einsatzbereiche für Altholz sind genauso vielfältig und breitgefächert wie bei normalem, neuem Holz. So können die Hölzer zum Beispiel für den Innenausbau verwendet werden, etwa für die Fußböden, als Wandverkleidungen oder als Ständerwerk.

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Aus Balken und Brettern lassen sich Möbel wie rustikale Tische, Betten, Sitzbänke oder Regale anfertigen. Kleinere Hölzer wiederum bieten sich für Vertäfelungen oder Möbelelemente wie Türen an.

Im Außenbereich kann Altholz den Belag für eine Terrasse ergeben, Beete und Gartenwege einfassen oder für Gartenmöbel zum Einsatz kommen. Natürlich sind genauso rein dekorative Elemente denkbar. Schließlich ist die besondere Optik gerade das, was Altholz ausmacht.

Wo ist Altholz erhältlich?

Inzwischen gibt es einige Holzbetriebe, die ausschließlich alte Hölzer vertreiben. Ihr Angebot reicht von Balken über massive Bretter bis hin zu Holzlatten. Oft sind zudem Holzplatten erhältlich, die mit Altholz furniert sind. Dazu werden alte Furniere aufbereitet und auf mehrschichtige Platten aufgezogen. Die Platten können anschließend für Verkleidungen oder den Bau von Möbeln verwendet werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Altholz nur in begrenzten Mengen zur Verfügung steht. Es ist nicht möglich, wie im Baumarkt oder einer Schreinerei jede beliebige Stückzahl zu kaufen und bei Bedarf nachzubestellen.

Stattdessen hängt das Angebot davon ab, welche Hölzer rückgebaut wurden. Ein bisschen Flexibilität ist deshalb notwendig, wenn der Bauherr oder Heimwerker mit Altholz arbeiten will. Außerdem sollte er sich im Klaren darüber sein, dass Altholz deutlich teurer sein kann als neues Baumaterial.

Eine andere Möglichkeit, um an Altholz zu kommen, ergibt sich, wenn irgendwo ein Gebäude abgerissen wird. Oft inserieren die Eigentümer die Hölzer in den Kleinanzeigen. Ansonsten kann der Bauherr oder Heimwerker einfach nachfragen, ob er das alte Holz haben kann, wenn in seiner Umgebung jemand eine Baustelle hat.

Auch der Sperrmüll kann eine wahre Fundgrube für Altholz sein. Wichtig bei Hölzern, die direkt aus einem Gebäude kommen und nicht aufbereitet sind, ist aber, eine sorgfältige Prüfung auf Schädlinge und Giftstoffe vorzunehmen.

Gibt es Alternativen?

Beim Altholz steht weniger der praktische Nutzen, sondern in erster Linie die besondere Optik im Vordergrund. Doch Holz, das alt aussieht, muss nicht zwangsläufig alt sein. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie neues Holz auf alt getrimmt werden kann.

So können die Hölzer zum Beispiel gebeizt, lasiert oder geflämmt werden, um ihren Farbton zu verändern. Schleifen, Bürsten, Hacken oder Schlagen lässt Kratzer und Kerben entstehen, die wie echte Gebrauchsspuren wirken.

Geht es um Konstruktionen, kann sogar sinnvoller sein, auf neue Hölzer im Altholz-Look zurückzugreifen. Immerhin muss hier auch die Statik gewährleistet sein. Ansonsten muss jeder Bauherr und Heimwerker für sich selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang er sich mit optischen Täuschungen anfreunden kann.

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Markus Scheuer, 47 Jahre, Tischlermeister, Mario Schwab, 36 Jahre, Holzmechaniker und Timor Arksol, 43 Jahre, Inhaber Holzhandel, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes zum Rohstoff Holz, sowie Anleitungen, Tipps und Ratgeber für die Holzbearbeitung.

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